Ich halte wenig davon, Probleme schönzureden. Diese Seite zeigt offen, wie ich über den Bau denke, wo seine Schwächen liegen – und wie ich versuche, sie für mich und für die Betriebe, bei denen ich einspringe, in etwas Brauchbares zu wenden.
Der Bau hat keinen guten Ruf. Jugendliche suchen sich eher Berufe ohne Lärm und Staub, in denen man nicht täglich neun Stunden für einen mässigen Lohn arbeiten muss – was ich gut verstehen kann. Die Probleme, die der moderne Bau hat, haben mit der Zeit auch mich zunehmend gestört.
Was CAD heute kann, lässt scheinbar noch während des Baus beliebige Planänderungen zu. In den Augen mancher Architekten darf der Plan laufend während des Bauens entstehen. In der Praxis heisst das: Die Handwerker müssen die Beine in die Hand nehmen und sehr viel Flexibilität zeigen.
Vor drei Jahren dachte ich, es sei der Elektrikerberuf, der mir verleidet sei. Weil mir die Arbeit mit Holz so gefällt, begann ich stattdessen in Vollzeit für Zimmereien zu arbeiten – nach einem Jahr als Hilfsarbeiter Zimmermann startete ich sogar eine verkürzte Zweitlehre zum Zimmermann EFZ nach Artikel 32 (Ausbildung für Erwachsene im Selbststudium), von der ich die Mehrheit der überbetrieblichen Kurse absolvierte.
Mit der Zeit merkte ich zweierlei: Es war nicht der Elektrikerberuf, der mich störte, sondern der Bau im Allgemeinen. Und das Zimmern liegt mir nicht – auch wenn es vielleicht eine Frage der Gewöhnung geworden wäre. Beim geringen Lohn stellte sich zusätzlich die Frage, ob ich das letzte Jahr noch durchziehe und ans Qualifikationsverfahren gehe, oder ob sich das finanzielle Draufzahlen und das hoffnungsvolle Sich-Gewöhnen nicht mehr lohnt. Nach einigem Abwägen zeigte sich, dass es sich nicht lohnt. Die Zweitlehre zum Zimmermann habe ich diesen Sommer 2026 im zweiten von drei Jahren abgebrochen.
Den Bau an sich kann ich nicht ändern. Andere Bauberufe sind Teil desselben Baus und leiden folglich an ähnlichen Symptomen. Baustellen sind unorganisiert, es mangelt an Leuten, Kunden wie Architekten fehlt es oft an Vorstellungsvermögen, und die Kosten sind fast immer zu hoch – selbst bei Tiefpreisen.
Diese Probleme sind strukturell: jährliche Inflation bei relativ dazu stagnierenden Löhnen, die Scheineffizienz von CAD, die geringe gesellschaftliche Anerkennung für Bauberufe, bürokratische Hürden gegen das körperliche Arbeiten... Es ist eine lange Liste. Es sei aber auch angemerkt, dass es immer wieder gut organisierte Baustellen gibt – ermöglicht durch Kunden mit realistischen Vorstellungen und Bauführer, die es verstehen, Kunden frühzeitig vor unbedachten Entscheidungen zu bewahren. Auch war in den wenigsten Fällen mein jeweiliger Projektleiter die Ursache von Fehlern, sowohl im Stromern als auch im Zimmern.
Die GmbH löst keinen einzigen dieser strukturellen Punkte an der Ursache. Aber sie löst ein kleines Problem, das nun unter meiner Kontrolle steht: meinen Lohn.
Egal welche Firma, egal welche Baustelle – unnötiger Stress ist fast immer und überall vorhanden. Wenn das ohnehin so ist, kehre ich das Problem zur Lösung um: Ich gehe explizit auf Baustellen, die Probleme haben, und löse sie gezielt. Ich werde nicht mehr von widersinnigen Umständen überrascht, die im Rückblick mit etwas gutem Denken meist leicht vermeidbar gewesen wären (speziell wenn es immer wieder die gleichen Überraschungen sind), sondern bin von vornherein darauf vorbereitet, mit überforderten Kunden und Arbeitern zu arbeiten.
Von aussen mag das nach Semantik klingen – für mich macht es einen grossen Unterschied. Werde ich fürs Bauen angestellt, will ich bauen, nicht Kunden besänftigen, für Bauführer herumrennen und jede Arbeit zweimal machen. Werde ich aber dafür angestellt, Baustellen zu bewältigen, die in dieser oder jener Art ausser Kontrolle geraten sind, dann bin ich bereit, mein Möglichstes zu tun, um sie wieder unter Kontrolle zu bringen. So wird aus Frust eine Aufgabe. Die Probleme der Baustelle stehen nicht mehr zwischen mir und meiner Arbeit – sie sind die Arbeit.
Mein eigentliches Interesse gilt erstens dem Entwickeln von Apps für Geräte wie Smartphones und Desktops und zweitens der Idee, Philosophie möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. In der Welt der Software stehe ich aber noch nicht fest auf den Beinen; hier gibt es sehr viel zu lernen. Und fürs Philosophieren scanne ich in meiner Freizeit Wörterbücher und Enzyklopädien ein, digitalisiere sie nach und nach und trainiere mit ihren Texten KI.
Meine Hoffnung ist, dass mir diese Tätigkeiten, jedenfalls erstere, mit der Zeit ein Einkommen verschaffen – bis dahin bin ich auf Arbeit angewiesen, die mir ein gutes Einkommen sichert. Wie lange es dauert, bis ich von der Software leben kann, und ob überhaupt, ist schwer abzuschätzen; es gibt hier viele Unbekannte. Der Plan ist, von da an meine Zeit auf dem Bau zu reduzieren.
Aus dieser Klarheit ist etwas Neues entstanden, das mich antreibt. Ich arbeite bewusst B2B – gemeinsam mit Betrieben statt für Endkunden – und genau dort, wo ich gebraucht werde: wenn es eng wird. Das macht die Beziehungen einfacher und ehrlicher. Wir reden Klartext, du weisst, was du an mir hast, und ich weiss, wofür ich da bin.
Über die eigene GmbH verdiene ich anständig, und mit einem guten Lohn komme ich auch gerne: ausgeruht, mit bestem Werkzeug ausgerüstet und bei der Sache. Weil ich gezielt zum Lösen von Problemen geholt werde, ist jeder Einsatz eine konkrete Aufgabe, an der ich wachse – kein Frust, den ich ertrage. Wer mich ruft, bekommt keinen Angestellten, der den häufigen Widersinn von Baustellen aushält, sondern jemanden, der genau dann anpackt, wenn es zählt, und der Freude daran hat und es als seine Aufgabe sieht, die jeweilige Baustelle für die Elektroinstallationen wieder ins Lot zu bringen.
Klingt das nach jemandem, den du auf deiner Baustelle brauchen kannst?
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